"Himmelfahrtskommando" des TSV
Tischtennis: Erwachsenenfreizeit führte die Spieler und Freunde der Abteilung in diesem Jahr über Himmelfahrt an die Müritz
Alle Jahre wieder ist es so weit. Keine Panik, das wird jetzt nicht der erste Artikel über das Weihnachtsfest (damit wäre ich noch früher dran als die Schoko-Nikoläuse – die kommen erst nächsten Monat in den Handel). Nein, alle Jahre wieder schafft es eine kleine Gruppe der TSV-Tischtennisabteilung über Himmelfahrt oder Pfingsten auf Reisen zu gehen. Selbst, wenn es sich dabei in großen Teilen um die „üblichen Verdächtigen“ handelt, muss man das einfach mal anerkennen.
In diesem Jahr hatten wir uns also für Graal-Müritz entschieden. Weil schon der ein oder andere wusste, dass die kleine Stadt weitaus schöner ist, als ihr Namen vermuten lässt. Weil die Ostsee dort nur einen Sprung über den Deich entfernt ist. Und weil man es nicht weit bis zur ebenfalls sehr sehenswerten Hansestadt Rostock hat.
Der Himmelfahrtsmorgen (unser Abreisetag) begann mit einer Überraschung. Zum ersten Mal seit Jahren schafften wir es alle zur verabredeten Zeit am verabredeten Treffpunkt zu sein. Man vermisste es schon fast – das „Nachreichen“ wiederbelebter Schnapsleichen vom Hunteburger Open-Air, oder die verzweifelten Telefonate: „Wieso, wir wollten uns doch an der Halle treffen...“ Aber wenigsten waren wir so noch vor den Wochenendstaus auf der Autobahn. Standesgemäß mit gepackter Kühlbox (Aufschnitt, Milch, Frucht-, Hopfen- und Gerstensäfte) und frisch gekochten Koffeindröhnungen für die Fahrer.
Als wir die Feriensiedlung in Graal-Müritz am frühen Nachmittag erreichten, mussten wir erst einmal schlucken. Der Anblick, der sich uns dort bot, ließ Schreckliches erahnen. Schon die Straße war augenscheinlich seit 1956 nicht mehr verbessert worden, und auch die ersten Ferienhütten (wenn man diesen Euphemismus hier gebrauchen darf) wurden (zumindest in unserem Wagen) auf das selbe Baujahr geschätzt: Kleine Bruchbuden, aus dünnen Betonplatten zusammengesteckt, rissiger Putz, zerkratzte oder zerschlagene Scheiben, nikotingelbe Vorhänge. Wir schluckten, tuschelten Kommentare wie „Na, Mahlzeit“, oder: „Da kann man doch nicht drin wohnen“. Aber es wurde besser. Lediglich die ersten (übrigens leerstehenden) Hütten waren in diesem traurigen Zustand, unsere konnten sich echt sehen lassen. Einziges Manko: Bis zur Abreise konnten Werner, Hermann, Henry und noch mal Werner den toten Puma nicht finden, der unter ihrem Teppich verweste – der Geruch war einfach überall, man hätte wahrscheinlich den ganzen Teppich herausreißen müssen.
Erwähnte ich eigentlich schon das Wetter? Ich glaube nicht. Das war ja immer ein großes Thema in den vergangenen Jahren. Mal schwitzten wir 24 Stunden am Tag (Berlin), dann versammelten sich sämtliche Sturmböen über unserem Campingplatz (Norderney). In diesem Jahr sah das Wetter mal verdammt gut aus. Das kann man auf allen Fotos sehen: strahlendblauer Himmel, verträumte Quellwölkchen. Aber warum haben diese Weicheier alle Jacken an? Nun ja, bei Durchschnittswerten von knapp über zehn Grad und einer starken Meeresbrise geht das durchaus klar. Trotzdem sollte man bei einem Urlaub am Meer nicht darauf verzichten, in die Wellen zu springen. Olli und ich machten den Anfang, und wurden von den anderen Strandgästen verwundert beobachtet. Eine halbe Stunde später konnten wir auch Thorsten und Björn zu einem Wellengang überreden. Das war bevor wir ihnen verrieten, dass man in dem kalten Wasser nach zwei Minuten seine Füße nicht mehr spürt. Aber die beiden schlugen sich tapfer. Die logische Konsequenz wäre eigentlich, dass wir alle zum nächsten Jahresanfang an einem Neujahrs-Eisbaden teilnehmen. Den Rest des Nachmittags verbrachten wir in besten Mallorca-Manier: sonnen, Beach-Soccer spielen, ein oder zwei Bierchen trinken. Erst als Björn sich seinen schwarzen Wollpulli anzog, machten wir uns auf den Heimweg. Der Rest der Gruppe verbrachte den Nachmittag ähnlich entspannt. Sie wanderten zum Rhododendronpark und sonnten sich auf den Bänken. Mit ihrer Anwesenheit wurde der Altersdurchschnitt dort rapide gesenkt.
Der Freitag stand ganz im Zeichen der sportlichen Betätigung. Tour de Zingst, oder Tour de Darßt klingt zwar nicht annähernd so toll wie „Tour de France“, trotzdem kann man einige sportliche Parallelen ausmachen. Gut, Bergetappen gab es nicht wirklich bei unserer Radtour – außer gelegentlich die Sprintetappen „Deich rauf – Deich runter“. Aber wir hatten spannende Auseinandersetzungen in der Spitzengruppe, die sich auch schon mal zwei Kilometer vom Hauptfeld absetzen (da bestand die Spitzengruppe allerdings nur aus Hermann). Eigentlich hatten wir geplant, abends mit dem Bus zurück zu fahren – dummerweise ging das etlichen Touries genauso, weshalb ein Teil auf den nächsten Bus warten musste. Und wir fragten uns schon, warum die da einen Imbiss- und Bierwagen an einer Bushaltestelle aufbauen. Als dann der zweite Bus ebenfalls voll war, boten sich Hermann und Werner (E.) an, zusammen zurückzuradeln - immerhin sechzehn Kilometer, die sie in Bestzeit absolvierten. Passend zum Grillen waren sie wieder da.
Rostock und Warnemünde standen am Samstag auf der Tagesplanung – vielmehr in umgekehrter Reihenfolge. In Warnemünde besichtigten wir erst einmal die lokalen architektonischen Meisterleistungen und die Plattenläden (womit ich allerdings eine Einzelerscheinung gewesen sein dürfte). In Rostock teilten wir uns in eine Shopping-, eine Gastronomie- und eine Kulturgruppe auf. Interessanterweise gab es dort Überschneidungen, mit denen niemand gerechnet hätte. So beobachte die Kulturgruppe um Edeltraud durch ein Restaurantfenster, wie die Gastronomiegruppe (Björn, Thorsten, Olli und ich) ehrfürchtig vor der St. Marienkirche (eine der größten Backsteinkirchen Deutschlands) verharrte und über die Einschusslöcher im Mauerwerk diskutierte. Edeltraud war dermaßen überrascht, dass sie gleich rausgerannt kam, um dieses Bild mit ihrer Kamera festzuhalten (oder um sich zu vergewissern, dass es sich nicht um eine Fata Morgana handelte).
Leider mussten die Abendpläne aufgrund des Wetters geändert werden. Ein apokalyptischer Wolkenbruch verhinderte den Besuch des sogenannten Rhododendrenfestes. Zu gerne hätte ich die Leute dort nach dem zwölften Bier gefragt, wie denn noch mal dieses Fest hieße. Aber das Alternativprogramm war auch nicht von schlechten Eltern. Immer wieder erstaunlich, wie viel Spass man mit einem Tabu-Spiel und ein paar Spirituosen haben kann. Da klärten sich dann so wichtige Fragen, was denn eine exotische Vogelart mit „K“ mit einem Besuch in einem Rostocker Brauhaus gemeinsam hat...
Tja, was soll ich sagen. Dann war’s auch schon wieder vorbei. Viel zu schnell, klar. Aber die Planungen für das nächste Jahr laufen schon. Das ist doch schon mal was. Auf jeden Fall noch mal von mir einen herzlichen Dank an alle, die mit waren!
Daniel Koch
Veröffentlicht am Montag, den 24. Mai 2004 um 13:09 Uhr
